Beschäftigte der Linde AG demonstrieren gegen Fusion

Linde Mitarbeiter in Gablingen demonstrieren gegen geplante Fusion mit Praxair

Am 27. April 2017 demonstrierten rund 80 der rund 120 Beschäftigten des Linde Standorts in Gablingen gegen die geplante Fusion der Linde AG mit Praxair.
Die Ankündigung des Aufsichtsratsvorsitzenden der Linde AG, Wolfgang Reitzle, die Fusion mit Praxair notfalls mit seinem Doppelstimmrecht durchzusetzen hat bei den Beschäftigten der Linde AG für großen Unmut gesorgt.

Martin Beneke

Demo bei Linde gegen Fusion

Die Ankündigung des Aufsichtsratsvorsitzenden der Linde AG, Wolfgang Reitzle, die Fusion mit Praxair notfalls mit seinem Doppelstimmrecht durchzusetzen hat bei den Beschäftigten der Linde AG für großen Unmut gesorgt. Die bisher vorgestellten Pläne und öffentlichen Äußerungen der Verantwortlichen von Linde, Wolfgang Reitzle und Aldo Belloni, sowie des CEO von Praxair, Steve Angel, lassen erkennen welch negative Auswirkungen auf die 8.000 Beschäftigten der 29 Linde Standorte in Deutschland und der insgesamt ca. 64.000 Beschäftigten weltweit zukommen.
Aufgrund der geplanten Synergieeffekte von 1 Mrd. Euro, die vorwiegend durch Personalabbau erzielt werden sollen, ist davon auszugehen das weltweit 8.000 bis 10.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Durch die Auflagen der Kartellbehörden für den dann weltgrößten Industriegasekonzern müssen viele Bereiche ausgegliedert und verkauft werden. Die Auswirkungen für diese Beschäftigten lassen sich zurzeit nur schwer abschätzen. Diese reichen von Verkauf an Konkurrenten bis hin zur Ausgliederung in Unternehmen ohne Tarifbindung.
Um ihren Unmut zu äußern fand am 27. April 2017 ein Europäischer Aktionstag gegen die geplante Fusion statt. An vielen Standorten in Deutschland fanden, nach Aufruf der IG BCE und IG Metall, Demonstrationen statt. Auch im Landkreis Augsburg, am Linde Standort in Gablingen haben sich ca. 80 Beschäftigte in ihrer Mittagspause zusammengefunden und haben ihre Verärgerung über die geplanten Maßnahmen kundgetan.
Peter Beneke, Gewerkschaftssekretär der IG BCE im Bezirk Augsburg, erläutert: „Es ist schwer zu verstehen, dass ein gesunder und funktionierender Konzern wie Linde mit einem Konzern wie Praxair fusioniert und sich in Zukunft von Amerika aus diktieren lässt wie es sein Unternehmen zu führen hat. Das es eine Fusion unter Gleichen sein soll ist momentan nicht zu erkennen! Stattdessen hat der CEO von Praxair, Steve Angel, bereits öffentlich verlauten lassen, dass er keinen Bedarf sieht an dem Konstrukt von Praxair etwas zu ändern, vielmehr soll diese Struktur auf Linde übertragen werden. Welche Folgen das haben wird sieht man beim Vergleich der Beschäftigtenzahlen: Praxair ca.25.000 und Linde ca. 64.000 weltweit. Das ist nicht zu akzeptieren.“
Winfried Baindl, Betriebsratsvorsitzender des Linde Standorts Gablingen kritisiert: „Das bisherige Modell der Unternehmensmitbestimmung, mit einem paritätisch besetzen Aufsichtsrat, war in der Vergangenheit stets eine Erfolgsgeschichte und hat Linde zu dem gemacht was es heute ist. Ein weltweit erfolgreicher Konzern! Die Fusion nun gegen den Willen der Arbeitnehmer durchzusetzen ist unverantwortlich und wird Linde nachhaltig in seiner Entwicklung stoppen.“
Die IG BCE ist grundsätzlich gegen die Fusion, aber eine Fusion unter Gleichen sollte am Ende auch die Interessen aller berücksichtigen. Es bleibt zu hoffen, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle einlenkt und die Pläne noch einmal überarbeitet werden. Allerdings zeugen die bisherigen Aussagen davon, dass er das rechte Maß verliert.

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